Gesundheitliche Vorausplanung

«Was wäre, wenn … ich schwer krank werden würde? … ich einen Unfall mit schwerwiegenden Verletzungen hätte? … ich mich von einer Operation nicht mehr erholen würde?» Mögliche Antworten auf solche Fragen sind genauso unterschiedlich, wie wir Menschen es sind. Sie hängen stark von der aktuellen Lebenssituation und den eigenen Erfahrungen zusammen. Auch die eigenen Werte, Wünsche und Ziele im Leben spielen eine Rolle. Die gesundheitliche Vorausplanung ist demnach eine höchst individuelle Angelegenheit. Die Vorausplanung findet nicht einmalig statt, sondern kann sich fortlaufend ändern. Ziel ist, dass eine betroffene Person möglichst gemäss ihrem Willen behandelt und betreut werden kann.

Die gesundheitliche Vorausplanung kann: 

- Die eigene Lebensqualität verbessern
- Dem eigenen Willen ein Gehör verschaffen
- Die Belastung der Angehörigen reduzieren

Gesunde Personen sollten sich insbesondere damit auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen für sie das Leben trotz Einschränkungen noch lebenswert wäre. Für den Fall der eigenen Urteilsunfähigkeit ist es sinnvoll, sich im Voraus mit der vertretungsberechtigten Person (einer Person ihres Vertrauens) auszutauschen. Diese wird Sie in medizinischen Belangen vertreten, wenn Sie sich selbst nicht mehr äussern können.

Menschen mit chronisch fortschreitenden Krankheiten haben eine andere Ausgangslage. Sie haben im Verlauf ihrer Krankengeschichte Erfahrungen gesammelt, Erfolge aber auch Rückschläge erlebt. Diese Erlebnisse beeinflussen Werte und Ziele. Auch beeinflusst eine Vorerkrankung meist den Verlauf bei einer weiteren Erkrankung. Oftmals liegen körperliche Einschränkungen vor. Um den eigenen Willen in medizinisch klare Handlungsanweisungen zu übersetzen, wird empfohlen, diesen mit einer medizinischen Fachperson zu besprechen. Zudem ist die frühzeitige Organisation eines Netzwerkes wichtig. Ein solches Netzwerk kann bei alltäglichen Bedürfnissen unterstützen (z.B. bei der Körperpflege, Haushaltshilfe, regelmässige medizinische Beratung, Entlastung von Angehörigen) und Sicherheit für Notfallsituationen bieten.

Unsere Projekte im Bereich gesundheitliche Vorausplanung:
Aufgrund der verschiedenen Bedürfnisse in Bezug auf die gesundheitliche Vorausplanung gibt es am Palliativzentrum mehrere Projekte zu diesem Thema. Aktuell sind dies: 

  • Compassionate City Lab der Berner Bevölkerung (Co-Lab): Im Rahmen des Projektes wird derzeit ein Kursangebot zur gesundheitlichen Vorausplanung entwickelt. Dieses soll die Teilnehmenden befähigen, im Prozess der gesundheitlichen Vorausplanung eine aktive Rolle einzunehmen.
  •  iplan: An der Insel Gruppe wird ein Betreuungsstandard für die allgemeine Palliative Care eingeführt. Dieser soll helfen, den Prozess der krankheitsspezifischen Vorausplanung bei Menschen mit fortgeschrittenen Erkrankungen zu strukturieren.


Weiterführende Informationen:

Im Rahmen des Projektes «Koordinierte Versorgung» des Bundesamtes für Gesundheit, wurde das nationale Rahmenkonzept zur gesundheitlichen Vorausplanung mit Schwerpunkt «Advance Care Planning» (2018) erarbeitet. Darin werden die wichtigsten Begriffe erläutert und u.a. auf folgende Instrumente der gesundheitlichen Vorausplanung verwiesen (S.15):