EAPC-Forschungskongress 2018


Assistierter Suizid ist keine Antwort auf das Bedürfnis nach Palliative Care

Vom 24.-26. Mai 2018 fand in Bern der 10. Weltforschungskongress in Palliative Care statt. Über 1‘100 Forscherinnen und Forschern aus über 60 Ländern haben über Forschungsresultate, laufende Projekte und Bedürfnisse von Betroffenen und Fachpersonen diskutiert. Das Universitäre Zentrum für Palliative Care des Inselspitals unter der Leitung von Prof. Dr. Steffen Eychmüller hat diesen Grossanlass mitorganisiert.

In den letzten Wochen wurde der assistierte Suizid in den Medien in der Schweiz intensiv thematisiert. Die Schweiz ist weltweit bekannt als Land, in welchem dies gemäss Artikel 115 des Strafgesetzbuches erlaubt ist. «Doch assistierter Suizid ist nicht die Antwort auf Palliative Care Bedürfnisse in unserer Gesellschaft», erklärte Mathias Egger, der Präsident des Schweizerischen Nationalfonds SNF bei seiner Ansprache im Kursaal. Denn schätzungsweise rund 30 Mio. Menschen weltweit benötigen heute Palliative Care und nur die wenigsten davon erhalten eine adäquate Betreuung.

Lebensende hat wenig Priorität

Das Thema Lebensende wurde sowohl in der Medizin wie auch in der Gesellschaft lange vernachlässigt. Dies zeigt sich daran, dass die Forschung in diesem Bereich sehr spät Fuss fasste – etwa gegen Ende des letzten Jahrhunderts. In der Schweiz gibt es zurzeit lediglich zwei Lehrstühle in Palliative Care, einer davon ist in Bern. Ein weiterer soll demnächst in Zürich aufgebaut werden.

Interdisziplinarität der Forschung zentral

Am Forschungskongress wurde darüber diskutiert, wie das Thema Lebensende in unserer Gesellschaft enttabuisiert und der Zugang für Betroffene zu palliativer Betreuung gewährleisten werden kann. Obwohl das Angebot an Palliative Care mit dem Bruttoinlandprodukt eines Landes korreliere, ist die Qualität des Sterbens in der Schweiz nicht so hoch, wie sie sein sollte, meinte Egger. Aus diesem Grund ist Forschung in diesem Bereich sehr wichtig, um zu zeigen, wo die sozialen und ökonomischen Herausforderungen liegen. Dabei ist der interdisziplinäre Forschungsansatz in diesem Bereich zentral. Es geht um viel mehr als nur um medizinische Aspekte. Ebenso wichtig sind kulturelle und soziale Faktoren sowie das ganze Netzwerk, in welchem betroffene Patientinnen und Patienten leben.

Der nächste Forschungskongress findet 2020 in Palermo, Italien statt.

Cellisten spielen zum Auftakt des 10. Weltforschungskongresses der EAPC